Hätten Sie im Jahr 2013 eine Direct-to-Consumer-Marke auf den Markt bringen wollen, hätten Sie wahrscheinlich nicht als erstes an Armbanduhren gedacht. Technologische Neuheiten, allen voran das Smartphone, hatten die Armbanduhr beinahe so obsolet werden lassen wie Zylinder, Schnupftabak und Ascotkrawatten.

Die Gründer von MVMT sahen den Mangel an erschwinglichen Armbanduhren in der Branche also nicht als Trend, aber doch als Chance. Im Juni 2013 lancierte das Gründerduo Jake Kassan und Kramer LaPlante eine Indiegogo Kampagne, um „bezahlbare, stilvolle, hochwertige Uhren“ zum Preis von nur 95 Dollar zu produzieren. Im August, als die Kampagne endete, hatten die beiden fast eine Viertelmillion Dollar von mehr als 2.800 Unterstützern eingenommen und übertrafen ihr ursprüngliches Ziel sogar um 1.466 %.

Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf die Beine zu stellen, ist aber natürlich bei weitem nicht dasselbe wie eine erfolgreiche Marke zu erschaffen. Doch auch das gelang MVMT. 2017 verzeichnete MVMT jährliche Einnahmen von über 90 Millionen Dollar und im Oktober 2018 kaufte Movado das Unternehmen für über 100 Millionen Dollar. Diese Übernahme zeigte die „neue Gewichtung von E-Commerce und digitaler Kommunikation“ des Analoguhrenherstellers.

Wie hat das Team also den Übergang von Indiegogo in die große Geschäftswelt geschafft?

Ein großer Teil dieses Erfolgs ist dem innovativen Umgang mit den sozialen Medien, sowohl im Bereich Community als auch in Bezug auf den Verkauf, zu verdanken. So konnte MVMT den anfänglichen Erfolg aufrechterhalten, gleichzeitig das Geschäft weiter ausbauen und in einem schier unglaublichen Tempo wachsen. Wie CEO Kassan sagt: „Die Leute wirklich für seine Marke zu begeistern, ist das Wertvollste, was man tun kann. Man will nicht einfach nur Kunden, sondern Unterstützer, Mitglieder und Befürworter. Leute, die das Gefühl haben, Teil von etwas zu sein, bleiben bei einem und geben ihre Begeisterung an andere weiter.“

Von Benutzern erstellte Inhalte erwiesen sich als unverzichtbar für die Markenetablierung des Unternehmens. Vor allem, wenn es darum ging, die Kunden davon zu überzeugen, dass ein niedriger Preis nicht zwangsläufig mit einem minderwertigen Produkt gleichzusetzen ist. Das Unternehmen bat bei jedem Verkauf um eine Kundenbewertung und erhielt auf diese Art in kurzer Zeit Tausende von Fünf-Sterne-Bewertungen. Außerdem profitiert es so von seinen treusten Kunden, die mit ihren Bewertungen oft viele Fragen bereits beantworten und die typischen FAQ überflüssig machen.

Durch MVMT Influencer-Marketingkampagnen wurde das Unternehmen zudem auf authentische Weise bekannt und beliebt gemacht, was besonders hilfreich war, um die Marke einem neuen Publikum näherzubringen. MVMT nutzte aber nicht nur die üblichen Kanäle wie Instagram, Facebook und Twitter, sondern sorgte auch dafür, dass es auf Plattformen wie Tumblr und Pinterest wahrgenommen wurde.

„Tumblr hat bisher die größte Wirkung gezeigt“, so Kassen. „Wenn man es schafft, dass auf großen Tumblr-Seiten ein paar Bilder erscheinen, verbreiten sich diese wie verrückt und können Tausende erreichen.“ Und auch Pinterest ist für das Unternehmen zu einer der am schnellsten wachsenden Quellen für Traffic geworden. „Viele Nutzer von sozialen Medien und mobilen Geräten sind im Kaufmodus, vor allem auf Pinterest, was zu wirklich beeindruckenden Konversionsraten führt“, erklärt der MVMT Marketingchef Blake Pinsker. 

Da MVMT alles dafür tut, um das Nutzererlebnis an jedem Markenkontaktpunkt laufend zu optimieren, bindet es seine Kunden in dem gesamten Kauferlebnis aktiv mit ein. Das Unternehmen hat seinen Onlineshop bei Shopify erstellt, seinen mobilen Auftritt zur Priorität gemacht und Amazon Pay integriert, um seinen Kunden einen reibungslosen Bezahlvorgang zu bieten. Die Optimierungsbemühungen von MVMT zahlen sich aus, denn die mobile Konversionsrate hat sich bereits im Jahr 2017 mehr als verdoppelt, nachdem das dynamische Shopdesign und die dazugehörigen Services aktiviert wurden.

Der Erfolg von MVMT, der sich praktisch über Nacht eingestellt hat, lässt das Onlinegeschäft vielleicht einfach aussehen, doch, genau wie bei einer sorgfältig verarbeiteten Armbanduhr, muss man erst hinter die Fassade schauen, um zu erkennen, wie fein alles aufeinander abgestimmt ist und wie präzise das Uhrwerk eigentlich läuft.

Erfahren Sie mehr über MVMT (auf englisch).